Was so los ist auf dem Buchmarkt – Ein Besuch auf der Buchmesse Frankfurt
Mittwoch, den 21. Oktober 20091.Tag
Ein regnerischer Donnerstagmorgen. Ich sitze in der S-Bahn Richtung Frankfurt und werde von Minute zu Minute zappeliger. Denn heute ist mein erster Messe-Tag. Na ja, nicht ganz der erste. Vor einem Jahr war ich auch schon mal hier, allerdings nur für einen halben Tag und nur als eine von hunderttausenden Besuchern, die da auf dem Messegelände rumwuselten. Doch heute bin ich – und das nicht zuletzt dank der Bücherinsel – als offizielle Fachbesucherin ausgewiesen und werde den ganzen lieben langen Tag auf der Messe herumspazieren dürfen und mir ein Bild davon machen, wie es so aussieht in der Welt des Buches.
Zunächst bin ich überrascht von den schier endlosen Massen, die sich trotz “Fachbesuchertag” an der S-Bahn-Haltestelle und in den Eingangshallen drängeln. Nachdem ich mir eine Schülerkarte ergattert habe, mache ich mich auf den Weg zu Halle 3, wo unter anderem die Kinder- und Jugendbücher ausgestellt sind, die mich natürlich besonders interessieren. Ich beginne also meine Odyssee durch die verschiedenen Gänge und Stände in der Halle “Kinder- und Jugendbuch”.
Schon nach einer knappen halben Stunde (ich bin noch längst nicht durch alle Gänge gewandert) muss ich meine Besichtigung unterbrechen, denn mittlerweile habe ich so viele Kataloge, Gesamtverzeichnisse und Vorschauen von so vielen Verlagen gesammelt, dass ich sie kaum tragen kann und wohl oder übel einen Abstecher zu meiner Tasche machen muss. Doch danach geht es munter weiter. Ich spaziere durch die Gänge, freue mich an den erstaunten Gesichtern wichtig ausssehender Geschäftsleute und mache meine Beobachtungen.
Nachdem ich mir einmal alle Stände angesehen und auch einige Fotos gemacht habe, gucke ich mich noch in der Comic-Ecke um – und platze mitten in einen Vortrag zum Thema “Manga” rein. Au weia! Auf Mangas bin ich nicht gut zu sprechen. Ich hab nichts gegen das Genre an sich, aber der Kult darum geht mir tierisch auf die Nerven. Und so auch hier: Ich fühle mich vollkommen unerreicht. Der Redner spricht eine Art Kauderwelsch, die nur er und seine Mitstreiter verstehen können. Andere Leser, andere Bücher existieren nicht. Muss das sein?!
Ganz ähnlich übrigens ist meine Meinung zum Thema e-book. Ich mag vollgestopft sein mit Vorurteilen bis oben hin, aber wenn jemand, der bei einem Vortrag unter Fachleuten ins Stottern kommt, sich in Fachwörtern verliert und offensichtlich Schwierigkeiten hat, die richtigen Worte zu finden, mir weismachen möchte, Benutzer von e-books verlören keinesfalls an Sprachkompetenz und Wortkreativität, dann kann ich nur müde lächeln. Obwohl ich mir damit wahrscheinlich viele Feinde im “fortschrittlichen Buchgeschäft” mache…
Nachdem ich mich eine Weile über Mangas, e-books und den leider unvermeidlichen Fantasy-Quatsch aufgeregt habe (natürlich gibt es auch kein Entrinnen vor dem “twilight”-Blödsinn. Wie hatte ich nur so naiv sein können, zu glauben, die Bücherwelt bestünde nicht nur aus Vampiren und Werwölfen!), begebe ich mich erneut zum Start meiner “Reise”, dem “Forum Kinder- und Jugendbuch”, eine Art Vortragsbühne, denn dort beginnt um viertel nach zwölf eine Lesung, die mich sehr interessiert: Kirsten Boie list aus ihrem neuen Buch “Seeräuber Moses”. Ich bin gespannt, denn meine Meinung über die angesehene Kinderbuchautorin ist durchaus zwiespältig: Ihre Jugendromane (u.a. “Skogland”, “Allhambra” ) begeistern mich sehr, während ich zum Beispiel die Geschichten um “King-Kong” eher als anbiedernd und albern empfinde. Zu meiner Überraschung kann Kirsten Boie jedoch wunderbar erzählen und vorlesen, von Albernheit ist nichts zu spüren. Sie gibt spannende Einblicke in das Leben einer Kinderbuchautorin und enthüllt auch das ein oder andere Geheimnis.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause im doch recht kühlen Innenhof geht es weiter in den sogenannten “Pavillon”, wo das diesjährige Gastland China seinen Platz hat. Ich bin überrascht: Die Halle ist erstaunlich modern dekoriert. Keine Spur von asiatisch anmutenden Fratzen an den Wänden oder orientalischer Musik, wie man es erwartet hätte. Die Halle errinnert eher an ein Museum: Es ist viel zur Geschichte des Buchdrucks und des Schreiben ausgeltellt. Auch ist es sehr viel ruhiger als in einer der anderen Hallen. Ich ruhe mich noch ein wenig in der warmen Halle aus, lausche bei einer Vorlesung der fremden und melodiösen Sprache und mache mich dann wieder auf den Weg zu Halle 3, meinem Zuhause im Messegewimmel.
Der nächste Programmpunkt: Eine Lesung mit dem Titel “Auf der Sonnenseite” von und mit Klaus Kordon. Dieser bekannte Autor vieler Romane mit geschichtlichem Hintergrund macht einen überaus lebendigen Eindruck. Während der Vorstellung zappelt er herum, wirkt aber trotzdem sehr sympatisch und liest lebhaft, mit viel Betonung. Er lässt beim Lesen deutliche Bilder entstehen. Der Stil des Buches ist sehr realistisch, ohne große Emotionen. Manchmal kommt es mir fast so vor, als ob der Erzähler sein Umfeld etwas spöttisch betrachtet. Auf jeden Fall regt der zu DDR-Zeiten spielende Roman zum Nachdenken an.
Ich bleibe gleich im Forum sitzen, um mir einen Vortrag zur “Leseförderung” anzuhören. Es gilt, diesen Begriff, der mir bisher nicht viel sagte, etwas näher zu erforschen. Überraschenderweise ist der Vortrag weder trocken noch langweilig, sondern gut strukturiert und durchaus überzeugend. Ich lausche gespannt den Ausführungen über den Bundesverband Leseförderung, das neu produzierte Handbuch und die verschiedenen Institutionen, die die Leseförderung in Deutschland unterstützen. Die Rednerinnen gehen souverän auf Fragen ein und verstehen es, einen Begriff von der Leseförderung zu vermitteln. Auf meine Frage, ob es denn auch Leseförderung für Erwachsene gäbe, lächelt die Rednerin etwal amüsiert, denn schließlich wird die Fage von einem Kind gestellt. Doch in der Tat wird auch in diesem Bereich schon konsequent gearbeitet, denn wenn die Eltern nicht lesemotiviert sind, dann hilft bei dem Kind auch die beste Leseförderung nicht.
Nach diesem sehr interessanten, aber trotzdem recht anstrengende Programmpunkt beschließe ich, die Messe für heute zu verlassen. Ich habe zwei Lesungen und drei Vorträge besucht, Dutzende von Fotos gemacht und einen großen Stapel Kataloge gesammelt. Das sollte reichen für den ersten Tag…
2.Tag
Nachdem ich heute Morgen mit leichten Kopfschmerzn aufgewacht bin, soll der heutige Tag etwas ruhiger verlaufen. Nach dem üblichen Gang durch die Reihen in Halle 3 such ich wie schon so oft das Forum auf: Hier findet gleich eine Lesung statt. Stefan Seitz stellt seinen Fantasy-Roman “Das Unkrautland” vor. Eigentlich halte ich ja überhaupt nichts von Fantasy, aber dieses Buch gefällt mir. Es ist eine etwas schrullige Geschichte mit seltsamen Personen, die noch im Dunkeln liegende Aufgaben zu bewältigen haben. Sehr schön erzählt und gelesen mit einigen Reimen zwischendurch. Der Autor sieht selbst ein wenig aus wie eine seiner Figuren, ist aber mit sehr viel Ernsthaftigkeit dabei.
Eigentlich wollte ich ja gerade nochmal zum China-Pavillon, doch auf dem Weg dahin bleibe ich am ARD-Hörfunkstudio hängen: “Literarisches Kinderquartett” vom HR2. Hier werden von einer Moderatorin und drei Kindern neue Büche vorgstellt, untermalt von Musik, Hörspielen und Interviews mit kleinen und großen Lesern. Trotz der beißenden Kälte, die im Innenhof herrscht, bleibe ich eine Weile sitzen und höre zu.
Weiter gehts. Nachdem ich noch ein paar China-Fotos gemacht habe, haste ich zurück zu Halle 3, denn Axel Scheffler, der gleich im Forum zeichnen wird, möchte ich auf keinen Fall verpassen. Mit dabei ist die “Stimme des Grüffelos”, Ilona Schulz. Und diese beiden sind ein wahres Wunder: Während Frau Schulz lustig und ungezwungen die Moderation macht, vorliest, singt und spielt, zeichnet Axel Scheffler hastdunichtgesehn eine Maus, einen Fuchs oder eine Katze an die Plakatwand. Nach einer kleinen Weile kommt soger der Grüffelo selber und wird von den Kindern im Publikum stürmisch begrüßt. Ein gelungenes Zusammentreffen von Lesung, Theater und Zeichenstunde!
Nach dieser euphorisiernden Stunde ist für mich die Buchmesse beendet. Müde, aber glücklich fahre ich nach Hause, um dem Rest der Familie von meinen Erlebnissen zu berichten. Fazit: Die Messe lohnt sich!
Astrid

Aber weil es bis zum Herbst noch sooo lange ist und ihr euch sicher schon so einige Gedanken gemacht habt, wie es mit Eragon, Saphira, Arya und all den anderen weiter gehen wird, haben wir uns etwas ausgedacht: